Es steht Topspiel drauf, es ist Topspiel drin. Am vorletzten Spieltag der Saison wartete auf die zweite Mannschaft der SG Grün-Weiß Mehltheuer genau die Partie, auf die man wochenlang hingefiebert hatte. Der Tabellenführer musste zum Drittplatzierten nach Zwickau, zum Absteiger aus dem Vorjahr, der sich zuletzt auf eigener Anlage äußerst heimstark präsentiert hatte. Beide Mannschaften hatten vor dem ersten Wurf noch den Aufstieg in das sächsische Kegeloberhaus im Blick, beide wussten um die Tragweite dieses Nachmittags. Gegner auf Augenhöhe, große Bühne, spürbare Spannung in jeder Ecke der Anlage – alle Zutaten für einen Kegelnachmittag, der nichts verschenken würde.
Im Startpaar erwischte Gerald Woith einmal mehr einen Auftritt, der sofort Wirkung entfaltete. Gegen Sascha Schubert (574 Holz) war er vom ersten Wurf an mitten im Spiel, fand direkt den richtigen Zug zur Bahn und erhöhte den Druck auf seinen Gegner immer weiter. Schubert hielt dabei lange ordentlich dagegen, doch Woith ließ sich davon überhaupt nicht aus dem Konzept bringen und zog sein Spiel konsequent durch. Vor allem mit seiner Ruhe und Konsequenz setzte er ein frühes Signal und holte mit starken 595 Holz den ersten Mannschaftspunkt für Grün-Weiß. Marco Seitz zeigte parallel dazu ebenfalls lange eine überzeugende Vorstellung. Gegen Florian Forster (556 Holz) hatte er die Partie zunächst sehr gut im Griff und schien auf bestem Weg, den nächsten Zähler mitzunehmen. Doch der Zwickauer kämpfte sich im letzten Abschnitt noch einmal zurück, nutzte Seitz' kleine Schwächephase clever aus und drehte das direkte Duell tatsächlich noch. Dass Marcos 545 Holz am Ende trotzdem von großem Wert sein würden, zeigte sich erst viel später, als jede einzelne Zahl scheinbar doppelt zählte.
Im Mittelpaar schickte Mehltheuer mit Max Kuhr und Kapitän Stefan Krause zwei Spieler auf die Bahn, die ihre Aufgaben auf ganz unterschiedliche Weise erfüllten. Max Kuhr präsentierte sich gegen Mario Dahmen über weite Strecken auf einem richtig starken Niveau. Vor allem zu Beginn zeigte er, was in ihm steckt, erspielte sich ein wertvolles Polster und hielt die Partie auf Mehltheuerer Seite offen. Nach der Einwechslung von Clemens Paul wurde das Duell dann noch einmal deutlich unangenehmer, denn der Zwickauer brachte sofort neuen Schwung in die Begegnung und machte besonders im Abräumen mächtig Druck. Kuhr gelang es dadurch nicht mehr, seinen Vorsprung weiter auszubauen, doch er verteidigte mit viel Übersicht genau das, was er sich zuvor erarbeitet hatte, und sicherte mit sehr guten 570 : 539 Holz den zweiten Mannschaftspunkt. Stefan Krause hatte derweil die denkbar schwerste Aufgabe des Tages. Gegen Philipp Trabert (611 Holz) auf Zwickauer Seite, der zugleich bester Spieler der Gastgeber wurde, ging es für den Mehltheuerer Kapitän darum, den Schaden so klein wie möglich zu halten – und genau das gelang ihm eindrucksvoll. Der Zwickauer spielte auf richtig hohem Niveau, doch Mehltheuers Mannschaftskapitän hielt mit einer extrem konstanten und spielerisch starken Leistung dagegen, blieb jederzeit in Schlagdistanz und steuerte glänzende 579 Holz bei. Auch ohne Punkt war das eine Vorstellung, die für das Gesamtbild der Partie enorm wichtig war.
Damit lief alles auf einen Schlussdurchgang hinaus, in dem jeder Fehler sofort Gewicht bekam. Für Stefan Kebsch begann dieser Abschnitt alles andere als nach Wunsch. Gegen Thomas Korb (573 Holz) wollte sein Spiel zunächst überhaupt nicht anspringen, der Start geriet komplett daneben. Korb nutzte diese Phase konsequent aus und verschaffte sich damit früh Vorteile. Umso höher ist einzuschätzen, wie Kebsch sich danach in die Partie zurückbiss. Statt sich hängen zu lassen, arbeitete er sich Wurf für Wurf zurück, stabilisierte sein Ergebnis und hielt Mehltheuer damit im Rennen. Seine 559 Holz waren am Ende hart erkämpft und ein Musterbeispiel für Willen und Widerstandskraft. Auf der Nebenbahn lieferte René Dietzsch dann den Auftritt des Tages. Gegen Jan Theilig (561 Holz) war von Beginn an zu sehen, dass er bereit war, diese Verantwortung anzunehmen. Theilig machte seine Sache dabei ebenfalls stark und ließ zu keinem Zeitpunkt locker, sodass sich die Partie über weite Strecken in einem Bereich bewegte, in dem jeder Fehler sofort bestraft worden wäre. Gerade in den letzten 60 und besonders in den letzten 30 Wurf lag über der gesamten Partie eine Spannung, bei der das Pendel jederzeit zum Ungunsten des Teams hätte ausschlagen können. Doch Dietzsch antwortete nicht mit Zögern, sondern mit Klasse. Immer dann, wenn die Partie zu kippen drohte, setzte er starke Treffer dagegen und spielte mit 583 Holz nicht nur den Mannschaftspunkt ein, sondern zog seine Mannschaft mit der nötigen Entschlossenheit über die Linie. Das war keglerisch stark und mental noch stärker.
Das Spiel endete mit 3:5 bei 3414:3431 Holz.
Ein Sieg, der nicht nur wegen des Gegners, sondern auch wegen der Wucht des Moments besonders wertvoll ist. Gegen einen starken, heimgefährlichen TSV 90 Zwickau bewies Mehltheuer II, dass diese Mannschaft genau dann aufblüht, wenn es darauf ankommt.
Und als wäre dieser Nachmittag nicht schon groß genug gewesen, brachte der Blick auf die anderen Begenungen der Liga endgültige Gewissheit: Weil die direkten Verfolger aus Lengenfeld zeitgleich auswärts verloren, ist der Aufstieg perfekt. Die zweite Mannschaft der SG Grün-Weiß Mehltheuer hat es geschafft und spielt in der kommenden Saison im sächsischen Kegeloberhaus, in der Verbandsliga. Nach so vielen Jahren des Anlaufnehmens, nach Rückschlägen, knapp verpassten Chancen und immer neuen Anläufen ist das der verdiente Lohn für eine Mannschaft, die sich diesen Erfolg mit Geschlossenheit, Qualität und Beharrlichkeit erarbeitet hat. Dieser Sieg in Zwickau war kein gewöhnlicher Auswärtserfolg. Er war der entscheidende Schritt auf einem langen Weg.
Das letzte Saisonspiel steigt nun am 18. April noch einmal auf heimischer Anlage gegen den KSV BG Taucha II. Diesmal ohne Rechenschieber, aber mit breiter Brust. Der Druck ist weg, die Freude riesig – und genau darin liegt die Chance, auch den Schlusspunkt dieser Saison noch einmal mit einem starken Auftritt zu setzen. |