Mehltheuer II wusste vor der Reise zum SV Leipzig 1910, was am dritten Spieltag der 1. Verbandsliga wartete: ein erfahrener Gegner auf vertrauten Bahnen. Grün-Weiß kam als Außenseiter, ohne große Ansagen, aber mit dem Willen, Leipzig die Punkte so schwer wie möglich zu machen. Dass die Gäste später selbst nach dem Auswärtssieg greifen würden, war da noch nicht abzusehen.
Mannschaftskapitän Stefan Krause brauchte im Startpaar keine Zeit, um sich mit der Anlage anzufreunden. Er eröffnete mit 151 Holz, ließ sich vom verlorenen zweiten Satz nicht beirren und spielte zum Schluss noch einmal 161. Mit 605 Holz, darunter 214 im Abräumen, holte er gegen Robby Bartuschk den Mannschaftspunkt. Krause behandelte die fremden Bahnen bald wie eigenes Inventar und gab seiner Mannschaft damit genau den Rückhalt, den sie für diese Aufgabe brauchte.
Neben ihm fand Max Kuhr dagegen keinen Zugang zum Spiel. Besonders der dritte Satz tat weh: Vier Fehlwürfe und Schwierigkeiten auf den Einzelkegeln, dann standen 130 zu 131 Holz auf der Anzeige. Mit diesem knapp verlorenen Satz geriet auch der Mannschaftspunkt außer Reichweite. Max unterlag Peter Bloß mit 537 zu 550 Holz und 1:3 Sätzen. Bei am Ende nur 33 Holz Unterschied blieb das eine schmerzhafte verpasste Chance: Mit einem besseren Tag von ihm hätte Mehltheuer dieses Spiel gewinnen können. Trotzdem führte Grün-Weiß nach dem Startpaar mit 15 Holz.
Dann spielten sich die Gäste in ihre stärkste Phase. Stefan Frauendorf antwortete auf seine 128 Holz zum Auftakt mit hervorragenden 160 und gewann auch den dritten Satz. Vor der letzten Bahn lag er gegen Jan Köckeritz 22 Holz vorn. Doch Köckeritz spielte zum Abschluss 166, Frauendorf 143. So standen für den Mehltheuerer 560 Holz und zwei Satzpunkte zu Buche, aber der Mannschaftspunkt ging bei 560 zu 561 nach Leipzig. Ein Holz. Da hätte man die Anzeigetafel gern noch einmal zur Nachzählung gebeten.
Gerald Woith sorgte daneben dafür, dass Leipzig trotzdem nicht aufatmen konnte. Mit 148, 149 und dann 163 Holz gewann er die ersten drei Sätze gegen Timo Hartmann. Auch als der letzte Satz an Leipzig ging, blieb sein Mannschaftspunkt ungefährdet. Seine 589 Holz waren die zweite große Auswärtsleistung des Tages. Zwischenzeitlich führte Mehltheuer mit 97 Holz. Aus dem vorsichtigen Beginn war ein Spiel geworden, in dem die Gäste den Ton angaben. Vor dem Schlusspaar standen noch 56 Holz Vorsprung und ein 2:2 nach Mannschaftspunkten. Jetzt musste Grün-Weiß die Führung ins Ziel bringen.
Leipzig hatte allerdings noch seine stärkste Antwort parat. Nikita Pohl eröffnete gegen Stefan Kebsch mit 170 Holz. Kebsch hielt im zweiten Satz mit 153 dagegen und holte ihn sich, konnte Pohl aber nicht dauerhaft bremsen. Der Leipziger kam auf 611, Kebsch auf 542 Holz. Es war einer dieser Durchgänge, in denen der eigene gute Satz kaum Zeit zum Durchatmen verschafft, weil der Gegner sofort wieder nachlegt.
René Dietzsch erging es gegen Andreas Knoth ähnlich. Nach 135, 148 und 117 Holz waren die ersten drei Sätze verloren. Mit 150 Holz zum Abschluss setzte er noch einmal ein Zeichen und holte einen Satzpunkt, insgesamt blieb er mit 550 Holz aber unter dem, was er sich für diesen Nachmittag vorgenommen hatte. Knoth erreichte 570. Kebsch und Dietzsch wehrten sich, doch Leipzig nahm ihnen in den ersten beiden Sätzen des Schlusspaars 55 Holz ab. Von Mehltheuers Vorsprung blieb genau eines übrig. Im dritten Satz wechselte die Führung, und Leipzig gab sie nicht mehr her.
Das Spiel endete 6:2 bei 3.416 zu 3.383 Holz.
Das Ergebnis klingt deutlicher, als sich dieser Nachmittag lange angefühlt hat. Mehltheuer II hatte Leipzig auf dessen eigener Bahn erheblich unter Druck gesetzt. Krause und Woith überzeugten, Frauendorf fehlte ein einziges Holz zum Mannschaftspunkt. Ebenso klar ist aber: Leipzig entschied die Schlussphase mit 1.181 zu 1.092 Holz für sich und gewann verdient. Nach zwei absolvierten Spielen steht Mehltheuer II mit 2:2 Tabellenpunkten auf Rang sechs. Für das nächste Spiel bleibt eine Aufgabe, die leicht zu benennen und schwerer zu erfüllen ist: die Qualität aus Start und Mitte über alle sechs Spieler auf die Bahn bringen. |